By Christoph Hilber on 30. Juni 2014.

Soll ich VR werden?

Verwaltungsrat ist kein Job wie jeder andere: Die Verantwortung, die Auswirkungen des Handelns und die Rahmenbedingungen sind aussergewöhnlich. Oft wird ein VR-Mandat als Krönung der Karriere betrachtet – doch aus ihm erwachsen auch Nachteile. Fünf Pros und drei Contras.

VR-Praxis 3/2014; TEXT CHRISTOPH HILBER
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Praktisch in allen Communities und Schulungen zum Thema VR ist die Rede von der Professionalisierung der Verwaltungsräte. Konkret: Viele Verwaltungsräte sind nicht ideal aufgestellt und sollten mit zielführenden Kompetenzen und Erfahrungen neu zusammengestellt werden. Hier liegt das Potenzial für neue VR-Kandidatinnen und VR-Kandidaten. Es gibt den klassischen Weg wie die Suche im persönlichen Netzwerk. Seit kurzem gibt es auch auf VRs spezialisierte Internet-Plattformen. Viele VRs werden über Executive-Search-Firmen gefunden, die einen Vollservice bieten. Stellen Sie Ihre Erfahrungen in den Dienst interessanter Firmen. Tragen Sie bei, den Wirtschaftsstandort Schweiz über zukunftsorientierte und sachlich begründete Strategien und Entscheide zu stärken. Ihre Kompetenzen sind gefragt. Melden Sie Ihr Interesse an.

Pro
Bringen Sie Ihre Erfahrungen und Kompetenzen in einer weiteren Dimension ein. Der VR definiert die Strategie, bestellt und kontrolliert die Geschäftsleitung. Dazu sind praktische Erfahrungen wichtig und ein zielorientierter Kompetenzen-Mix (im Sinne von Fähigkeiten und Erfahrungen) bei der Zusammensetzung der Mitglieder. Aussensicht ist wichtig, denn Innensicht ist genügend vorhanden.
Interesse an strategischer Arbeit. Der VR denkt und lenkt über die strategischen Vorgaben, die von der Geschäftsleitung umgesetzt werden müssen. Strategien dürfen nicht nur theoretischen Mustern folgen, sondern setzen die Verankerung und den Abgleich mit Marktgegebenheiten, (Mega-)Trends und eigenen Zielen voraus. Der VR muss Interesse daran haben und bereit sein, die operative Umsetzung zu delegieren.
Lernen Sie dazu. Ohne Affinität zum Tätigkeitsfeld oder zu strategischen Zielen des Unternehmens sollte eine VR-Position tabu sein. Ein Konkurrent wird Sie kaum in den VR wählen, sondern eher Firmen, die ähnliche, aber nicht gleiche Herausforderungen haben. Ihr Wissen, angewandt im neuen Umfeld, wird erneut auf die Probe gestellt. Dabei lernen Sie von Kollegen mit für Sie ergänzendem Domänenwissen.
Strategisches Netzwerk. Als VR bauen Sie Ihr persönliches Netzwerk auf strategischer Ebene aus. Es entwickeln sich strategische Optionen für Ihren Arbeitgeber und für Sie persönlich. Und Freundschaften zu Menschen, mit denen Sie Ziele gemeinsam erreichen.
Langfristige Karriereentwicklung. Jede Karriere bedeutet die Kumulation von Erfahrungen aus verschiedenen Tätigkeiten und Verantwortungen, ob als Fachspezialist, Experte oder Führungspersönlichkeit im operativen Alltag. VR zu werden ist ein Karriereschritt, um sich bewusst mehr den strategischen Themen zu widmen – sei dies in einer Doppelfunktion neben der operativen Tätigkeit oder als Profi-VR.

Contra
Prestige. Es gilt als Kompliment und Erfolg, in einen VR gewählt zu werden. Man darf darauf auch stolz sein. Allerdings darf Prestige nicht die Grundmotivation sein. Wenn Sie in einem VR keinen aktiven und fachlichen Beitrag leisten können, behindern Sie möglicherweise nicht nur den Erfolg des Unternehmens, sondern gefährden sich und Ihre Kollegen zudem durch mögliche Fehlentscheide, die juristisch eingeklagt werden könnten.
Zeitvertrieb. Um in einem VR aktiv mitzuwirken, müssen Sie sich aus Ihrer Tagesroutine frei machen können. VR-Tätigkeiten sind in der Regel mit viel Vorlauf gut planbar. Wenn Sie keine Zeit frei machen können, fehlen Sie mit Ihrem Know-how und blockieren den Verwaltungsrat sogar. Wenn Sie nur VR werden wollen, um Ihre Zeit zu vertreiben, sind Sie ebenso fehl am Platz wie der VR, der richtig am Platz wäre, aber keine Zeit hat.
Geld. Es gibt Studien zum Thema Honorierung der Verwaltungsräte. Alle haben gemeinsam, dass VR in der Regel eine Teilzeitbeschäftigung ist und in Relation zum Aufwand angemessen entlohnt wird. Wenn Sie nur wegen des Geldes mitmachen, aber substanziell nichts beitragen können, leben Sie zunehmend gefährlich. Für Rechtsfälle können Sie sich versichern. Die neuen gesetzlichen Auflagen und Anforderungen an den Verwaltungsrat haben sich aber verschärft, Klagen werden häufiger – in jedem Fall steht Ihr persönliches Image auf dem Spiel – schlimmer als mögliche Anwaltskosten und Bussen.

AUTOR
Christoph Hilber ist Betriebswirtschafter und seit sieben Jahren Headhunter mit eigenen Firma: P-Connect Executive Search & Recruiting hat den Fokus auf Industrie (MEM), IT/Telekom und Positionen VR, GL und Spezialisten.

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