By Christoph Hilber on 10. Mai 2015.

ERBSCHAFTSSTEUER – Positionsbezug gefragt

Die Abstimmung über die Erbschaftssteuer steht bevor, die Kampagnen dafür und dagegen haben begonnen. Die am meisten betroffene Unternehmerschaft wäre gut beraten, ihre Position zu erklären.

VR-Praxis 05/2015; TEXT CHRISTOPH HILBER
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Auch auf www.unternehmerzeitung.ch veröffentlicht.

Diesmal muss die Wirtschaft die Wiederholung einer Zustimmung analog Masseneinwanderungsinitiative verhindern, sonst fallen Wirtschaft und Unternehmer in ein Trauma, welches der Schweiz nicht gut tut. Dass eine Erbschaftssteuer, wie sie die Initiative vorschlägt, nicht schon längst eingeführt wurde, sondern regional unterschiedlich gehandhabt wird, deutet auf divergierende Standpunkte in deren Wirkung und Nebeneffekte hin.

Die Erbschaftssteuerinitiative zielt genau auf die Schnittstelle Arbeitnehmer zu Arbeitgeber. Sie spaltet die Geister derjenigen Arbeitnehmer, welche hinter den Unternehmern die Elite und sich selber in der Benachteiligung der wertschöpfenden Arbeiterklasse sehen. Gut gibt es darunter eine gute Anzahl, welche stolz auf ihren Beitrag zur Wirtschaftsleistung ist und genügend unterscheiden kann zwischen sozioökonomischer Umverteilung und nachhaltiger Gefährdung des Astes, auf welchem sie sitzt.

Sollen die betroffenen und anderen Unternehmer zur Initiative Stellung beziehen oder nicht? Die Befürworter werden dies tun und kein Argument auslassen, um die Chancen eines Sieges zu steigern.

Die Initiativgegner – und dazu gehören viele mittelständische Arbeitgeber – sehen sich dagegen in der Zwickmühle, da sich sachliche Argumente zur Sicherung von Firma und Arbeitsplätzen mit Argumenten zur Sicherung des persönlichen Familienerbes mischen. Eine nicht repräsentative Umfrage* von P-Connect bei Verwaltungsräten und Unternehmern hat ergeben, dass 80 Prozent der Befragten die Initiative ablehnen werden, obwohl nur rund 40 Prozent aufgrund der Eignerstruktur ihrer Firma direkt von den Auswirkungen betroffen wären. Von diesen Direktbetroffenen planen nur rund zwei Drittel, ihre Belegschaft proaktiv für das Thema zu sensibilisieren.

KOMMUNIKATION
Wertschätzung gut, Vertrauen gut, Verständnis gut: Eigentlich würde man als Unternehmer gerne einfach gar nicht kommunizieren, denn Diskussionen über Geld sind stark gefährdet, polarisierend aus dem Ruder zu laufen und verwirrend zu enden. Kommunikation durch die Initiativgegner und Betroffenen ist aber unerlässlich, um die Klischees des Pro-Lagers durch Aufklärung zu neutralisieren und den möglichen Schaden am Erfolgsrezept Schweiz, nämlich einer stabilen und traditionsreichen Unternehmer-Landschaft, zu verhindern.
Stimmt die Wertschätzungskultur in einer Organisation, dürfte sich die Kommunikation einfacher gestalten. Werden die Unterschiede der Vermögensverhältnisse zwischen Eigentümern und Belegschaft zu sichtbar ausgetragen, dürfte es mit der glaubwürdigen «Wert-Schätzung» schwieriger werden. Wenn die Wertschätzung aber authentisch ist, wird einer Information vertraut, welche auf die Gefährdung von Firmen und Stellen hinweist.

INVESTITION IN DIE UNTERNEHMENSKULTUR
Es wird in Zukunft bestimmt weitere Vorstösse geben, das Unternehmertum über Regulierungen, Steuern oder andere Mittel zu bedrängen. Eine Investition in eine Kultur von Wertschätzung und Respekt zwischen Führung, Eigentümern und der gesamten Belegschaft würde sich bestimmt lohnen. Dass Einkommen direkt korreliert mit Verantwortung, Einsatz und Risiko, werden viele Mitarbeitende nachvollziehen können. Lohnkürzungen und Stellenabbau bei gleichzeitiger Erhöhung von Bonus und Salär im Kader sind jedoch Gift für ein Team, welches gemeinsam am selben Strick ziehen will. Unabhängig davon, ob dies im eigenen Unternehmen stattfindet oder über andere in den Medien steht.

KEINE KOMMUNIKATION
Wer nicht kommuniziert, mag seine Gründe haben. Nur mit der Stimmbeteiligung der Gegner und Abstinenz der Befürworter zu rechnen, dürfte wohl riskant sein. Wenn wir Glück haben, herrscht am Abstimmungswochenende schönes Wetter.

AUTOR
Christoph Hilber ist Betriebswirtschafter und seit sieben Jahren Headhunter mit eigenen Firma: P-Connect Executive Search & Recruiting hat den Fokus auf Industrie (MEM), IT/Telekom und Positionen VR, GL und Spezialisten.

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