By Christoph Hilber on 4. April 2016.

HS2HS – Die Dimension n+1

Soziale Netzwerke in der Sprache der IT-Architektur wirken fast wie ein Hohn auf den menschlichen Intellekt. Sie sind eigentlich mehr. Zum Beispiel auf Facebook genügen zwei Mausklicks, eine Beziehung aufzubauen – einmal Antrag, einmal Bestätigung. Die Scheidung ist noch einfacher – ein Klick. Ich bezeichne diesen Prozess H2H – Human-to-Human. Immerhin. Aber eigentlich ist das doch nicht wirklich befriedigend, oder? Entspricht dies dem unermesslichen Potential des menschlichen Intellekts? HS2HS?

Alumni Wirtschaftsinformatik Universität Zürich; Ausgabe readme 35/16; TEXT CHRISTOPH HILBER
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Auf die Frage, wie digital VR-Sitzungen sein können oder sollen (VR = Verwaltungsrat, nicht Virtual Reality), hat mir Dr. Andreas Schönenberger, ehemaliger Geschäftsführer der Google Schweiz, in einem Gespräch erklärt: «Künstliche Intelligenzen, wie es sie heute gibt, sind für eine bestimmte Disziplin optimiert. Ihnen fehlt das allumfassende Denken. Zudem bin ich überzeugt, dass die physische Nähe in einem Team wichtig ist für die Diskussion, da sie zusätzliche Kommunikationsebenen miteinbezieht. Der Computer ist (noch) nicht so weit».

Was macht den Unterschied?
Lachen, Wärme, Glück, Frust, Mut, Verhalten, wohlwollender oder ungehaltener Blick, Veränderung der Hautfarbe kombiniert mit Pupillenweite, wer steht mit wem bei der Kaffeemaschine oder in der Kälte beim Aschenbecher? Die Dimension n+1? Eigentlich ist der Begriff ‚social network‘ für die vielen Plattformen oder analytischen Segmente ein Hohn auf den menschlichen Intellekt. Eine Beziehung zwischen Menschen ist mehr als eine Linie zwischen zwei Entitäten oder einem Link zwischen zwei Profilen. In den Gesprächen, die ich als Personalberater / Coach mit Menschen in einer beruflichen Veränderung führe, spielt das persönliche (soziale) Netzwerk eine zentrale Rolle. Es ist Benchmark, Haltegriff und emotionale Stabilität in einer oft schwierigen Phase der beruflichen Neuorientierung. Benchmark, indem man sich der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt stellen, seine persönlichen Stärken, Schwächen, Wünsche und Ängste auf den Tisch legen muss. Haltegriff, indem man Menschen angehen kann, um Optionen auszuloten, Referenzen zu erhalten, ermutigt zu werden. Emotionale Stabilität, indem man eine verständnisvolle Schulter findet, an der man sich ausweinen kann oder ein Erfolgserlebnis feiern kann. Eben einfach ein Homo Sapiens, der mehr ist als eine Entität in einem Datenmodell.

Soziales Netzwerk pflegen
Es ist praktisch, die vielen Plattformen für die Verwaltung der eigenen Kontakte inklusive Freunde zu nutzen. Transparent, einfach, immer ein Backup in der Cloud – kann nie verloren gehen. Auch ist es praktisch, seine Bekannten detailliert mit Tweets, Bildern etc. schnell und praktisch zu dokumentieren. Das betrachte ich als ‚basics‘ der Kontaktpflege und passt in unsere digitale Welt.

Dimension 1+n

Der Ruf aus dem Netz – reich mir deine Hand, lass uns gemeinsam lachen. Zusammen eine Party schmeissen, über Gott und die Welt diskutieren, persönliche Sorgen besprechen, ehrliche Meinungen einholen. Die strahlenden Augen aus dem Netz – halt mich, küss mich, lass mich deine Wärme spüren. Auch Knatsch haben, Frieden schliessen. Dies soll nicht als esoterisches Gesäusel gewertet werden, sondern einfach als Königsversion der Relationen: HS2HS – Homo Sapiens to Homo Sapiens.

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