SIKA – Aktionen / Reaktionen – Auswertung

Auswertung unserer Kurzumfrage bei Verwaltungsräten *).
 
Anfangs Woche vom 8.12.2014 wurde bekannt, dass die Besitzer der Stimmenmehrheit von SIKA AG Ihren Anteil an die französische Saint-Gobain verkauft haben. Brisant an der Transaktion ist, dass weder die externen VRs inkl. VRP noch die Geschäftsleitung im voraus davon Kenntnis hatten. Als Konsequenz daraus kündeten diese nach ‚fairer Analyse‘ an, nach Abschluss der Transaktion geschlossen zurückzutreten.

*) 90-Sek.-VR-Umfrage
Die 90-Sekunden-VR-Umfrage wird von P-Connect alle 1-2 Monate zu aktuellen Themen durchgeführt und ist Teil unserer Executive-Search Tätigkeit im Umfeld von Verwaltungsräten/ Geschäftsleitungen und unseres Interesses für Persönlichkeiten und deren Impact auf Unternehmen und Wirtschaft.

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Frage: Wie finden Sie die Ankündigung des geschlossenen Rücktritts aller externen VRs inkl. VRP und der GL?
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Frage: Hätten Sie in der Situation von VR/VRP und GL dasselbe getan?
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Kommentar: Obwohl 69% der Antwortenden mit der Reaktion von VRP/VR/GL sympathisieren, würden nur 37% gleich reagieren.

Frage: Wie finden Sie das Vorgehen von Verkäufern (Familien Burkard-Schenker) und Käufern (Saint-Gobain), die externen VRs/VRP und die GL vor dem Entscheid nicht involviert zu haben? (mehrere Antworten möglich)
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Kommentar: 100% der Antwortenden würden VR und GL involvieren; 33% finden das Vorgehen inakzeptabel.

Frage: Wie finden Sie die Reaktion der Verkäufer, über eine a.o. GV die abtrünnigen VRs durch ‚gehörige‘ zu ersetzen?
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Frage: Würden Sie versuchen, VR/VRP und GL von ihren Rücktritten abzubringen?
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Frage: Aus welcher Optik haben Sie die Fragen beantwortet?
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Mut zur Meinungsäusserung

VR-PRAXIS-Persönlich im Gespräch mit Frau Prof. Monika Bütler. Wie bringt man seine zahlreichen beruflichen Verpflichtungen unter einen Hut? Wie schafft man den Übergang zur Pensionierung? Diese und andere Fragen beantwortet Monika Bütler im Gespräch.

Gespräch mit ANNINA HALLER, CHRISTOPH HILBER

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Auch auf www.moneycab.com und www.unternehmerzeitung.ch veröffentlicht.

Monika Bütler ist seit 2004 ordentliche Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. 2008 gründete sie dort zusammen mit einem Kollegen das Schweizerische Institut für Empirische Wirtschaftsforschung (SEW) und fungiert seither als geschäftsführende Direktorin. Zudem beschäftigt sie sich engagiert für das Thema Demographie und Alterung der Gesellschaft.

Frau Bütler, wie bringen Sie Ihre universitären Tätigkeiten mit Ihren verschiedenen VR-Verpflichtungen unter einen Hut?
MONIKA BÜTLER Ich glaube, die meisten Leute stellen sich die Arbeit an einer Universität etwas falsch vor. Eine Professur verlangt zwar viel Einsatz, bietet dafür aber grosse Flexibilität und Selbstbestimmung. Zudem ist es durchaus erwünscht, dass sich die Professor(inn)en in verschiedenen Gremien im universitären und wirtschaftlichen Umfeld einbringen. Dennoch: Ich habe mich aus verschiedenen Gründen entschieden, mein Pensum als Professorin zu reduzieren, nicht nur wegen der VR-Mandate. Nun schätze ich die Abwechslung zwischen theoretischen und praktischen Themen, die sich aus den wissenschaftlichen Projekten, der VR-Tätigkeit und der Öffentlichkeitsarbeit ergibt. Letztlich ist es auch eine Frage der Organisation. So lehrt mein Mann an der Universität Zürich in einem Teilpensum. Wir haben beide das Privileg, dass wir mit Ausnahme der Semesterzeiten – die sehr hart sind und kaum zeitlichen Freiraum bieten – relativ flexibel sind, wovon Familie und Kinder wiederum profitieren. Glücklicherweise finden viele der VR-Sitzungen dann statt, wenn wir wenig oder gar keine Vorlesungen haben.

Monika Bütler

Sie machen einen ziemlichen Spagat an Diversität bei Ihren Mandaten. Wie kommt das?
Mich hat immer sehr vieles interessiert: Ich mochte Sprachen, Geschichte, Technik, Naturwissenschaften, Wirtschaftspolitik. Es fasziniert mich einfach, soviel wie möglich über die Welt zu erfahren. Das ist im Beruf natürlich schwieriger. Darum bin ich wissenschaftlich auch enger geblieben, um international konkurrenzfähig zu bleiben, auch wenn dies meinem Naturell weniger entspricht. Ich möchte mich nicht nur mit wenigen Forschungsthemen beschäftigen. So sehr ich meine Kollegen dafür bewundere, für mich wäre es nichts. Betrifft Sie die Thematik von Frauen in männerdominierten Umgebungen? Ja und nein. Mit meinem naturwissenschaftlichen Studium war ich von Anfang an immer in relativ männlichen Umgebungen. Meine Erfahrung ist, dass die Unterscheidung zwischen Mann und Frau künstlich vergrössert wird. Die Unterschiede zwischen zwei zufällig ausgewählten Frauen sind beispielsweise grösser als zwischen dem Durchschnittsmann und der Durchschnittsfrau. Werden ständig diese Durchschnittstypen verglichen, wird ein Grossteil der Diversität der Menschen ausgeblendet. Dieses Denken in Stereotypen prägt leider auch Buben und Mädchen und beeinflusst die Wahrnehmung der Geschlechter. Dies geht nicht überall zu Ungunsten der Frauen, beide Geschlechter leiden darunter. In den Schulen zum Beispiel ist es für begabte, aber etwas zappelige Kinder – viel häufiger Buben – nicht einfach, durch die Schulzeit zu kommen. Die Braven und Angepassten werden bevorzugt – häufiger die Mädchen. Das rächt sich später. Denn im Berufsleben und ganz besonders bei anspruchsvollen Aufgaben ist zu viel Anpassung nicht förderlich. Ich profitiere wohl heute davon, dass ich in der Schule Mühe hatte, mich anzupassen und nicht zu den Beliebtesten gehörte. So habe ich gelernt, mich auf meine eigenen Fähigkeiten zu verlassen und mich durchzusetzen. Ich muss nicht allen gefallen.

Mit batz.ch haben Sie eine Plattform geschaffen, auf der sich Schweizer Wirtschaftsprofessoren zu aktuellen Themen äussern können.
Der Blog ist aus der tiefen Überzeugung entstanden, dass eine funktionierende Gesellschaft eine breit abgestützte und konstruktive Diskussion verschiedener Kreise braucht. In den letzten 20 Jahren ist das Engagement der Wissenschaftler, aber auch der Wirtschaftsvertreter in der öffentlichen Debatte stark zurückgegangen. Persönlichkeiten mit Mut zu einer eigenständigen Position gibt es nur noch wenige, wir überlassen eigentlich alles den Politikern.

«DIE WIRTSCHAFTSVERTRETER WERDEN VON DER ÖFFENTLICHKEIT PRIMÄR ALS ABZOCKER WAHRGENOMMEN UND NICHT ALS GARANTEN UNSERES WOHLSTANDES»

Dann gehört das zum Anliegen von batz.ch, dass ein Bogen zwischen akademischer Forschung und der öffentlichen Meinung geschlagen wird?
Auf jeden Fall! Die Öffentlichkeit interessiert sich nämlich durchaus für diese Themen. Manchmal dauert es einfach etwas länger, bis jemand reagiert. So habe ich zum Beispiel vor zehn Jahren zum ersten Mal die Anreizwirkungen thematisiert, die von den Ergänzungsleistungen ausgehen. Das hat damals niemanden interessiert. Und nun werde ich mit Anfragen dazu eingedeckt.

Was glauben Sie sind Gründe dafür, dass sich Unternehmen nicht zu diesen Themen äussern?
Das hat vermutlich bis zu einem gewissen Grad mit der Internationalisierung zu tun. Viele Unternehmen sind nicht mehr gleich verwurzelt mit der Schweiz, da ihr Wirkungsbereich viel mehr global als lokal ist. Das ist nicht als Kritik gemeint, die Globalisierung hat uns sehr viel Wohlstand gebracht. Dennoch: Die meisten Menschen interessierten sich durchaus dafür, wie die Firmen ticken und wer für ihre Entscheidungen verantwortlich ist. Es kommt gut an, wenn sich Wirtschaftsführer zeigen. Andererseits werden die Wirtschaftsvertreter von der Öffentlichkeit primär als Abzocker wahrgenommen und nicht als Garanten unseres Wohlstandes. Dabei ist die Arbeitsbelastung an der Spitze der internationalen Firmen heute riesig, kaum jemand kann dies über längere Zeit leisten. Mein Kollege Norbert Tohm – er war Professor für Betriebswirtschaft an der Uni Bern – sagte einmal: «Das Problem ist, dass es unglaublich schwierig ist, einen Einblick in die Welt der Manager zu bekommen. Mir selbst ist das erst mit fortschreitender Erfahrung und aufgrund meiner Verwaltungsratsmandate gelungen. Leider muss man sich gerade dann zurückhalten, wenn man endlich weiss, wie es eigentlich läuft. Dann unterliegt man plötzlich einer Verschwiegenheitspflicht.» Das sehe ich genau so.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie verändern wollen?
Die ganze Regulierungsdichte lähmt uns zunehmend, immer mehr staatliche Stellen reden uns selbst in persönliche Entscheidungen rein, die niemandem wehtun. Alle wünschen sich mehr Freiheit und dennoch unterstützen viele gleichzeitig Initiativen, welche die Freiheit der anderen einschränkt. Die Welt wird dadurch nicht besser. Und dann wünschte ich mir, dass die Politik wieder aufklärerischer wird. Ecopop war letztlich auch eine Reaktion auf die Untätigkeit der Politik in den Diskussionen um die Folgen der Personenfreizügigkeit. Niemand erklärte den besorgten Bürgern, woher die Ausländer kommen, die wirklich Probleme machen (nämlich mehrheitlich nicht aus der EU). Auf griffige – auch während der Personenfreizügigkeit mögliche – Massnahmen gegen eine Einwanderung in den Sozialstaat wurde verzichtet. Wir warten bis heute auf eine vernünftige Einwanderungspolitik für Bürger aus Drittstaaten. Statt den Zug sanft zu bremsen, schielte die Politik viel zu lange auf die Notbremse Ventilklausel. Die Notbremse zogen am 9. Februar andere. Leider im Tunnel.

ZUR PERSON
Monika Bütler ist ordentliche Professorin für Volkswirtschaftslehre und Direktorin des Schweizerischen Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung (SEW) an der Universität St. Gallen (HSG). Sie ist Mitglied des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank sowie Mitglied des Verwaltungsrates der Schindler Holding AG sowie der Huber+Suhner AG.

Von den Grossen lernen

FEHLINVESTITIONEN – Was können KMUs von grossen Firmen lernen? Sie können sich
nicht alles erlauben, was die Grossen tun.

VR-Praxis 12/2014; TEXT CHRISTOPH HILBER
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Jeder Mann und jede Frau kennt dies aus eigener Erfahrung, oder zumindest aus Beobachtungen im eigenen Umfeld: Wenn man etwas wirklich will und das Objekt der Begierde von einem anderen, möglicherweise sogar dem Nachbarn, vor der Nase weggekauft zu werden droht, steigt die Nervosität. Die Kreativität fokussiert dann nicht mehr auf den Sinn oder Unsinn des Objekts, sondern nur noch darauf, wie man den Nachbarn ausstechen kann. Leidenschaft, wohlwollend interpretierte Risiken, knappe Finanzierung, optimistisch gebogene «hockey sticks» im Businessplan, etc. etc. sind die Folgen.

In einer nicht repräsentativen Umfrage*) von P-Connect bei Verwaltungsräten haben 88 Prozent geantwortet, dass das Bieterverfahren um Dresser-Rand vom Machtkampf der beiden VR-Präsidenten Joe Kaeser (Siemens) versus Peter Löscher (Sulzer) getrieben war. 45 Prozent schätzten den daraus entstandenen Aufpreis auf mehr als zehn Prozent, 36 Prozent auf mehr als fünf Prozent – bei einem Kaufpreis von 7.6 Milliarden Dollar sind das immerhin 380 Millionen bis 760 Millionen Dollar. Wenn man dann in der Presse liest, dass nicht einmal Gelegenheit zu einer seriösen Due Diligence bestand, und die Berater Siemens noch Fringe Benefits für das Management abluchsten, macht man sich schon so seine Gedanken.

«KMU können nicht Firmen zu überhöhten Preisen und mit zweifelhaften Abklärungen kaufen und sich durch persönliches Gerangel drängen lassen. Eben grad wieder passiert mit Dresser-Rand, welche Sulzer nicht kaufen konnte, weil sich Siemens mit Argumenten hochtreiben und blenden liess.»

Und diese Art Transaktion ist ja nicht einmal selten: Bekannt auch wegen der Nachwehen mit Kostenfolgen und Imageverlust wurde der Kauf von AWD durch die Swiss Life, welche scheinbar nach nur einer Woche Due Diligence gekauft wurde. Nicht nur kosteten die Klagen von AWD-Kunden die Käuferschaft nachträglich mehr als 200 Millionen Franken, sondern auch der «gekaufte» Umsatz sackte um einen Drittel ein, scheinbar aufgrund unterschiedlicher Kulturen zwischen «Verkäufer» und «Käufer». Hätte man dies nicht vor dem Kauf merken müssen? Oder mitten in der Finanzkrise übernimmt die Safra-Gruppe Ende 2011 die Bank Sarasin und wird nur zwei Jahre später von Klagen über mysteriöse Geschäfte eingeholt. Der Kauf fand zur gleichen Zeit statt, als die Bank Wegelin am Streit mit den USA zerbrach. Hätte da nicht mehr Vorsicht angebracht sein dürfen?

Man muss sicher berücksichtigen, dass in einem Übernahmepoker viele Taktiker gezielt Informationen streuen, Druck aufbauen, um Abklärungen und Entscheide zu beschleunigen und damit die Qualität der Entscheidungsgrundlagen zu verschlechtern. Aus Sicht der verkaufenden Partei wird nur ein Minimum an Informationen preisgegeben, schlummernde Risiken werden als «branchen-normal» klassiert – immer mit dem Ziel, einen möglichst hohen Preis zu erzielen. Die möglichen Käufer erwarten die Stärkung eines bestehenden Bereichs oder die Expansion in neue Märkte immer mit dem Ziel, die Konkurrenz auszuspielen und durch einen Zukauf schneller und günstiger Strategien umzusetzen, als wenn diese organisch und langsam angegangen werden müssten. Zwei verschiedene Ebenen von Gedanken.

Grosse Firmen haben in der Regel die kommunikativen Mittel, eine Fehlinvestition zu beschönigen, und auch die finanzielle Stärke, diese ohne existentielle Konsequenzen zu absorbieren. Mittelständische Firmen, kotiert oder in Familienbesitz, würden Fehlinvestitionen oft nicht überleben.

LEARNINGS?
Es lohnt sich, sich genügend Zeit für eine umfassende Due Diligence zu nehmen. Taktischer Druck wird aus taktischen Überlegungen aufgebaut. Der gesunde Menschenverstand aller Mittelständler wird sich davon aber nur gering drängen lassen. Wenn ein Dummer einen leichtsinnigen Kauf tätigt, wird damit möglicherweise bald eine Konkurrenz verschwinden. Die Freude der Verkäufer dürfte auch von kurzer Dauer sein, wenn sie mitverfolgen müssen, wie ihr Lebenswerk zerrieben wird. Wer beim Kauf nicht genug Fragen stellt, wird sich auch bei der Schliessung eines Bereichs nicht genügend Sorgen und Gedanken machen.

In diesem Sinn ist es zwar schade, dass Sulzer die Dresser-Rand nicht akquirieren konnte. Aber es ist wahrscheinlich ein weiser Entscheid, sich von Siemens nicht in eine Fehlinvestition gedrängt haben zu lassen.

* Umfrageresultat auf www.p-connect.ch/neuigkeiten/‚Gerangel unter VRPs‘

AUTOR
Christoph Hilber ist Betriebswirtschafter und seit sieben Jahren Headhunter mit eigenen Firma: P-Connect Executive Search & Recruiting hat den Fokus auf Industrie (MEM), IT/Telekom und Positionen VR, GL und Spezialisten.