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Ist der Verwaltungsrat (VR) klar auf die Nachhaltigkeit des Unternehmens ausgerichtet, schafft dies Sicherheit für Banken und Investoren. Wird der VR praktisch von einer einzigen Person dominiert, steigt das Risiko für Geldgeber. Was können Geldgeber tun, um VRs positiv zu gestalten und Risiken zu reduzieren?

Blog BankingUndFinance.ch, Text von CHRISTOPH HILBER, Verwaltungsrat der BoardSearch AG

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Die gute Seite eines dominierenden Patrons im VR ist allerdings, dass er sein Geschäft und seine Produkte / Dienstleistungen wie seine Hosentasche kennt, Erfahrung hat und über ein Netzwerk zu Kunden und Lieferanten verfügt. Die problematische Seite ist, dass der Wegfall dieser Persönlichkeit für das Unternehmen existenzgefährdend sein kann. Hinzu kommt die oft ungelöste Nachfolgeregelung, welche in der Regel mit der Problematik der fehlenden Breite des VR‘s einhergeht. Kontrolliert der VR das Unternehmen vergangenheitsorientiert statt es zukunftsorientiert zu steuern, sind in Krisen Probleme ebenfalls vorprogrammiert. Die noch oft praktizierte Kombination von Verwaltungsratspräsident und CEO in einer Person wird heute ferner zunehmend als unangebracht empfunden, ausser in reinen Familienunternehmen, wo oft spezielle Regeln gelten.

Aus nicht optimal zusammengesetzten Verwaltungsräten können für Unternehmen eine Reihe von Krisenszenarien erwachsen. Umsatzeinbruch, Verluste, Hilflosigkeit im Unternehmen und bei seinen Stakeholdern, Abbau von Firmenteilen, Produktlinien oder Personal etc. sind oft die Folge. Alle diese Szenarien stellen für Unternehmen langfristig ein Gefahrenpotential dar. Und für Geld- und Kreditgeber sind dies ernst zu nehmende Alarmzeichen. Denn im Krisenfall drohen Kredit- bzw. Investitionsausfälle. Banken und Investoren werden dann gezwungen sein, von der Unternehmensführung angemessene Massnahmen zu fordern.

Was tun? Fordern Sie eine dem Unternehmen angepasste Corporate Governance ein!
Verfügt ein Unternehmen über eine Corporate Governance, in welcher Ziele, Organisation, Aufgaben, Verantwortung so verteilt sind, dass jedes Organ nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen (und rechtlichen Vorgaben) konstituiert ist, wird die Verantwortung auf mehrere Personen verteilt. Es entsteht die  Basis für eine ausgewogene Meinungsbildung, es gibt Innen- und Aussensichten, praktische Gewaltentrennung und unternehmerische Risikominderung durch ein über mehrere Persönlichkeiten verteiltes Wissen.

Erfolgreiche Corporate Governance beginnt im VR. Die erste Aufgabe wäre die den Herausforderungen entsprechende Zusammensetzung des VR, welcher auf aktive Mitglieder mit wertvollem Wissen betreffend Strategie, Zukunft, Kunden, Märkte, Produkte, Technologien und Finanzen zählen kann. Diese Mitglieder verfügen über ausgewiesene Erfahrungen in ihrem Fachgebiet. Damit werden Probleme nicht nur früher erkannt, sondern Lösungen auch schneller und zukunftsorientiert entwickelt.

Wo beginnen?
Banken und Investoren pflegen in der Regel enge Kontakte zu VR und Geschäftsleitung (GL) und wissen daher eigentlich ziemlich genau, wo in den obersten Organen der Schuh drückt. Am besten beginnt man im VR, wo Veränderungen allerdings meist delikat sind und durch enge persönliche Beziehungen oft noch erschwert werden. Ist der VR stark, ist in der Regel auch die GL operativ stark. Banken können den VR-Präsidenten bei der Suche nach passenden Verwaltungsrätinnen und Verwaltungsräten durchaus unterstützen, denn oft ist dies eine grosse Herausforderung.
Dazu gibt es klassische Wege wie Suchen im persönlichen Netzwerk oder über Executive Search. Das persönliche Netzwerk ist oft zu klein und zu homogen, und der Vollservice der Executive Search Firmen ist oft sehr umfangreich. Seit kurzem gibt es jedoch eine weitere Option, nämlich die Suche eines  VR’s über spezialisierte Internetplattformen. Man sucht dort über sachbezogene Filter nach Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Öffentlichen Verwaltungen und Politik mit umfassenden Erfahrungen in unterschiedlichsten Branchen, Regionen, Funktionen. Das Internet erlaubt es, den Suchhorizont weiter zu spannen als nur bis zu persönlichen Kontakten. Ferner ist diese Rechercheart günstiger als die Beauftragung von Executive Search-Firmen. Ausserdem ist der Kreis der potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten grösser, da sich Interessenten für VR-Positionen selbst dort eintragen können und nicht erst persönlich identifiziert werden müssen.

Kompetente neue VR-Mitglieder mit Aussensicht und Fachkenntnissen bringen für Firmen neue Ideen und erhöhen die Sicherheit. Agiert ein Unternehmen nach klaren betriebswirtschaftlichen Prinzipien und mit einem professionellen und diversifizierten VR, operiert es aus einer Position der Stärke heraus. Banken und Investoren treffen im VR auf starke Gesprächspartner, welche angebrachte Massnahmen von selbst treffen. Deshalb profitieren Banken und Investoren mit Blick auf die Sicherheit ihrer Gelder von einem professionell besetzten VR bei Unternehmen, welche ihre Kunden sind.

Autor
Christoph Hilber ist Verwaltungsrat der BoardSearch AG, welche das Portal www.vr-netzwerk.ch betreibt. Er ist Betriebswirtschafter und seit sechs Jahren Headhunter mit seiner eigenen Firma P-Connect Executive Search & Recruiting.